Tabak war eines der ersten Produkte, für das Werbung weitestgehend im heutigen Sinne gemacht wurde. Die Tabakwerbung hat eine über 300-jährige Tradition; eines ihrer heute noch wichtigsten und ältesten Medien dürfte das Zigarettenplakat sein.
Neben orientalischen Stilelementen, die durch die Vorbilder der Importzigaretten aus Ägypten, der Türkei und Russland inspiriert waren, beherrschte der "süße Mädchenkopf" die Szenerie der Motive in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Das Reklameplakat wurde von den lithografischen Anstalten als Lagerware gehandelt. So konnte man in den Kolonialwarenladen den selben Mädchenkopf finden, der für Backpulver, Margarine oder Zigaretten Reklame machte.
Bedeutende Künstler waren es in der Regel nicht, die die Vorlagen für diese Blanko-Plakate lieferten. Ließ sich ausnahmsweise ein namhafter Künstler zu dem Entwurf eines Reklameplakats herab, so verschwieg er schamhaft seine Urheberschaft.
Justus Brinckmann, der bedeutende Museumsleiter und Initiator der ersten Plakatausstellung 1896 in Hamburg, erkannte zuerst die künstlerische und wirtschaftliche Bedeutung des Plakats. Nach dieser Ausstellung setzte fast schlagartig eine Plakatbewegung ein, die richtungsweisend für eine deutsche Plakatkunst wurde. Bekannte Künstler waren u.a. Lucian Bernhard, Johann V. Cissarz, Julius Klinger, Fritz Rehm,...
Den entscheidenden Anstoß, das Sachplakat zu formulieren und bewusst zu lancieren, gab um die Jahrhundertwende die Berliner Druckerei "Hollerbaum & Schmidt". Sie ließ keine Plakate auf Vorrat drucken, sondern wartete die Bestellung ab. Lucian Bernhard war einer der wenigen Künstler, der nicht nur
die Funktion, sondern das Objekt selbst (Die Manoli-Zigarette) auf seinen Plakaten darstellte. Die Einführung eines neuen Firmensignets der Firma "Reemtsma", das häufig ohne Firmenname abgebildet wurde, war eine werbepsychologische Methode, die für die frühen Zwanziger-Jahre des 20. Jahrhunderts ungewöhnlich war. Es begann eine Zeit, in der sich Grafiker von künstlerischen Ideen und Formengut des Expressionismus, Konstruktivismus und Kubismus inspirieren ließen.
Das Ende des zweiten Weltkriegs und die damit verbundene schöpferische Pause führte nur anfangs zu einem Zurückgreifen auf vergangene Plakatepochen, später zu Einflüssen emotionaler Tendenzen: anstelle von Gewohnheit und Eintönigkeit traten Überraschung, Erfindung und eine Fülle von Ideen, die der Plakatkunst Humor, Charme und Intelligenz verliehen.
Der in den sechziger Jahren aufkommende Plakatanschlag an Großflächen erschließt dem Grafik-Designer neue Dimensionen. Heute stecken hinter Plakatmotiven, die nur ein Teil von Gesamtkonzepten sind, ausgefeilte Werbestrategien, die auf vielen Bezugswissenschaften, wie z.B. Marketing, Werbe- und Wahrnehmungspsychologie, Semiotik u.v.a. basieren und sich natürlich auch an strenge gesetzliche Auflagen halten müssen. So darf z.B. in der Zigarettenwerbung das Produkt nicht von Jugendlichen beworben werden, um Gleichaltrige nicht zum Rauchen zu verführen.
Seit dem Fernsehwerbeverbot für Rauchartikel Anfang der 80er Jahre ist die Tabakindustrie auf Plakat- und Kinowerbung beschränkt. Auch diese Werbeformen werden in naher Zukunft gesetzlich unterbunden werden, so dass Tabak nicht nur als erste Warengruppe beworben wurde, sondern auch das erste Konsumgut war, für das Werbung verboten wurde.